Der Frühsommer ist die Hochsaison der Gartenfreunde und Hobbygärtner.
Dass die Arbeit im Freien manchmal ganz schön gefährlich werden kann, wird dabei meist vergessen. Roland Eberhard verrät seine persönlichen «Gesundheitstipps» für die Gartenarbeit!
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Roland Eberhard, eidg. dipl. Gärtnermeister und stellvertretender Geschäftsführer von Eberhard Gartenbau in Kloten. |
Welches sind die häufigsten Gefahren bei der Gartenarbeit?
Das können kleine, aber auch schwere Schnittverletzungen, Stürze, Allergien, Verbrennungen oder gar Vergiftungen sein.
Worauf sollte man besonders achten?
Ein guter Schutz ist das A und O. Das fängt bereits bei der Kleidung an. Ich sehe immer wieder, dass Leute beispielsweise barfuss Rasenmähen. Das ist fahrlässig. Denn man weiss nie, was passieren kann. Unverzichtbar sind: richtiges Schuhwerk, gute Kleidung, Handschuhe und bei Arbeiten mit Maschinen auch eine Schutzbrille.
Was muss man bei der Kleidung berücksichtigen?
Das kommt ganz darauf an, welche Arbeiten man verrichtet. Früher hat man oft gesehen, dass im Garten gerne mit freiem Oberkörper gearbeitet wurde. Davon rate ich ab. Zum einen wegen möglicher Verletzungen. Viel häufiger sind jedoch Sonnenbrände – vor allem am Rücken. Das wird meist unterschätzt, da man den Rücken beim Arbeiten fast immer gegen die Sonne hält. Wir arbeiten stets mit T-Shirt oder Schutzkleidung. Ausserdem creme ich die freien Körperstellen immer mit Sonnenschutzmittel ein – und zwar mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 30.
Gibt es Pflanzen, vor denen man sich besonders schützen sollte?
Gewisse Pflanzen sind bekannt dafür, dass sie allergische Reaktionen auslösen. Zum Beispiel der runzelblättrige Schneeball, ein immergrüner Strauch, der vor allem in den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts häufig gepflanzt wurde. Das Einatmen seines Duftes oder ihn zu berühren kann allergische Reaktionen auslösen. Auch der Riesen-Bärenklau (Kerbel) ist gefährlich. Die ganze Pflanze enthält einen Stoff, der – wenn er mit der Haut in Berührung kommt – zusammen mit Sonnenlicht zu Verbrennungen und Blasen führen kann. Diese heilen nur langsam ab und können Narben und Pigmentierungen hinterlassen. Bei Ambrosia sind allergische Reaktionen ebenfalls sehr häufig. Hier ist es wichtig, gut schützende Kleidung und vor allem auch Handschuhe zu tragen.
Welches sind andere Gefahrenquellen?
Vorsicht ist bei Pflanzenschutzmitteln oder Giften geboten. Leider kommt es immer wieder vor, dass diese in andere Behälter umgefüllt werden. Arbeitet man mit Spritzmitteln gegen Unkraut im Rasen, so darf man danach auf keinen Fall barfuss durch den Garten gehen. Denn das Gift macht auch vor den eigenen Fusssohlen nicht halt – und das ist ziemlich schmerzhaft, weil sich meistens die Haut löst. Besonders wenn kleine Kinder im Garten spielen, können Wasserkanister oder Biotope gefährlich werden. Sie sollten immer gut eingezäunt sein. Eine weitere Gefahr, die oft unterschätzt wird, sind die Zecken. Zeckenbisse sollten keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden. Ich kann nur jedem Hobbygärtner raten, sich dagegen zu impfen und bei Arbeiten im hohen Gras immer lange Hosen zu tragen.
Haben Sie noch einen besonderen Ratschlag für unsere Leserschaft?
Vielleicht ein paar Tipps für Pensionäre: Mir fällt immer wieder auf, dass viele vor allem nach der Pension ihre Leidenschaft für die Gartenarbeit neu entdecken. Oft wurde das Werkzeug dann jahrelang nicht gebraucht. Kontrollieren Sie deshalb alles gut! Nicht selten lohnt es sich, neues Werkzeug zu kaufen, da dieses oft viel strengeren Sicherheitsvorschriften unterliegt. Ausserdem: Bei Beilen oder Äxten können die Holzgriffe morsch sein. Oder sie haben sich stark zusammengezogen, so dass das Metallteil nicht mehr hält. Das ist gefährlich. Solche Werkzeuge sollten für eine Zeit im Wasser eingelegt oder ganz ersetzt werden. Viele Hobbygärtner überschätzen sich auch etwas. Vorsicht ist vor allem bei riskanten Übungen mit der Motorsäge geboten – zum Beispiel beim Holzschneiden oder beim Absägen von Ästen an hohen Bäumen. Wenn man nicht geübt ist, sollte man das Fachleuten überlassen, da das Risiko einfach zu gross ist.