Beim Thema Verhütung herrscht oft grosse Unsicherheit: Welches Verhütungsmittel ist das sicherste? Macht die Pille tatsächlich unfruchtbar? Und wann gibt es endlich die Pille für den Mann? Wir beantworten zehn dieser häufig gestellten Fragen.
Was ist der Pearl Index? Der Pearl Index (PI) gibt an, wie viele von 100 Frauen trotz Verhütung innerhalb eines Jahres schwanger werden. Je niedriger der Index ist, desto sicherer ist die jeweilige Verhütungsmethode.
Welche Verhütungsmethode ist am sichersten?
Die sicherste, aber auch radikalste Art der Verhütung ist die Sterilisation der Frau. Ihr PI beträgt gerade einmal 0.1. Ein ähnlich gutes Resultat weist die Antibabypille auf mit einem PI von 0.1 bis 0.9. Ebenfalls gut schneiden die Dreimonatsspritze (0.3 bis 1.4) und das Verhütungspflaster (0.72 bis 0.9) ab. Das Kondom bringt es indes nur auf einen PI von 2 bis 12, die chemischen Verhütungsmittel sogar bloss auf einen Wert zwischen 3 und 21. Sehr schlecht schneidet die Kalendermethode ab (PI 9).
Welche Vor und Nachteile haben natürliche Verhütungsmittel?
Natürliche Verhütungsmittel, zu denen unter anderen die Kalender- und die Temperaturmethode zählen, sind relativ einfach anzuwenden und mit keinen oder nur geringen Kosten verbunden. Allerdings sind sie, vor allem bei falscher oder inkonsequenter Handhabung, sehr unsicher. Zudem bieten sie keinen Schutz vor AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten.
Chemische Verhütungsmittel – auch etwas für mich?
Besser nicht oder jedenfalls nicht nur! Chemische Verhütungsmittel (Cremes, Gels, Scheidenzäpfchen und Schaum) enthalten Substanzen, die die Spermien abtöten oder ihre Beweglichkeit hemmen. Sie gelten allerdings nicht als sicher und sollten nur zusammen mit mechanischen Verhütungsmitteln angewendet werden.
Was sind mechanische Verhütungsmittel?
Die mechanischen Verhütungsmittel Kondom, Femidom (Kondom für die Frau) und Pessar (Diaphragma) verhindern, dass der Samen in die Vagina gelangt. Besonderer Vorteil des Kondoms und des Femidoms ist, dass sie als einzige Verhütungsmittel vor AIDS und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen.
Was ist dran an den «Pillen-Mythen»?
«Die Pille macht dick, depressiv und unfruchtbar!» Dies sind nur einige der vielen Gerüchte, die seit Jahrzehnten rund um die Pille kursieren. Viele dieser Aussagen sind falsch, wie zum Bespiel jene, dass Frauen nach jahrelanger Einnahme der Pille weniger fruchtbar sind. Andere jedoch haben einen wahren Kern: So kann das in der Pille vorhandene, synthetische Östrogen die Thrombosenemboliegefahr erhöhen. Ausserdem kann die Pille in seltenen Fällen unter anderem Kopfschmerzen und Unwohlsein verursachen oder die Libido beeinflussen.
«Die Pille macht dick und depressiv!» Alles nur ein Mythos? |
Welche «positiven Nebenwirkungen» hat die Antibabypille?
Antibabypillen können verschiedene Frauenkrankheiten heilen, lindern oder vorbeugen. Sie helfen zum Beispiel bei Endometriose (eine gutartige, jedoch schmerzhafte chronische Wucherung der Gebärmutterschleimhaut), geben einen gewissen Schutz gegen die Bildung eines Eierstockkrebses und hemmen – je nach Pillenart – Hautprobleme wie Akne, übermässige Körperbehaarung oder Kopfhaarverlust. Im Allgemeinen wirkt die Pille zudem günstig auf die Periode: Die Blutungen erfolgen regelmässig und Schmerzen sowie die Blutungsstärke werden gemindert.
Gibt es Wechselwirkungen zwischen hormonellen Verhütungsmitteln und anderen Medikamenten?
Ja. In der Regel sind jedoch nur wenige Medikamente davon betroffen und der Einfluss ist gering. Hier gilt es, die Packungsbeilage gut zu lesen, sich in der Apotheke zu informieren oder Rat bei der Ärztin oder beim Arzt einzuholen.
Worauf muss man bei Reisen in andere Zeitzonen achten?
Bei der Verhütung mit Kombinationspräparaten (Östrogen und Gestagen) wird die Pille alle 24 Stunden eingenommen. Der Empfängnisschutz ist jedoch auch gewährleistet, wenn zwischen zwei Einnahmen bis zu 36 Stunden liegen. Beträgt die Zeitverschiebung am Zielort also nicht mehr als zwölf Stunden, können Sie die Pille zur gewohnten (lokalen) Uhrzeit nehmen. Anders ist es bei der Minipille: Hier darf der maximale Zeitabstand zwischen zwei Pillen nicht mehr als 27 Stunden betragen. Liegt eine Zeitverschiebung von mehr als drei Stunden vor, muss nach zwölf Stunden eine Zwischenpille eingenommen werden.
Gibt es die Pille für den Mann?
Schon seit einiger Zeit wird nach einem medikamentösen Verhütungsmittel für den Mann geforscht, das die Spermienproduktion verhindert oder die Beweglichkeit der Samenzellen einschränkt. Bis heute wurde jedoch noch keine verlässliche und gut verträgliche «Pille für den Mann» gefunden.
Dies waren die gängigsten Fragen und Mythen rund um das Thema Verhütung. Bei weiteren Fragen sind wir gerne für Sie da!