Mit Schuppenflechte leben

Weisse Schuppung und Juckreiz sind für die Schuppenflechte typisch. Wegen ihres Aussehens werden Betroffene oft ausgegrenzt, weshalb sie in die soziale Isolation flüchten. Ein erfahrener Dermatologe erklärt, worauf Betroffene achten sollen.








  Prof. Dr. Ralph Michel Trüeb ist Professor für Dermatologie und leitender Arzt am Universitätsspital Zürich.


Bei der Schuppenflechte oder Psoriasis – abgeleitet vom griechischen Namen «Psora» (Krätze) – handelt es sich um eine gutartige, chronischentzündliche Erkrankung der Haut mit typischer, festhaftender, silbrigweisser Schuppung und Juckreiz. Früher wurde diese Erkrankung mit Aussatz verwechselt. Doch Psoriasis ist eine nichtansteckende Krankheit. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung sind betroffen, Männer und Frauen in gleichem Masse. Die Krankheit kann in jedem Alter vorkommen. Allerdings erscheinen die ersten Krankheitsanzeichen entweder im Kindes- und Jugendalter oder dann erst ab dem 40. Lebensjahr.

Professor Trüeb, wie merken Betroffene, dass sie Psoriasis haben?
Professor Ralph Trüeb: Wenn Hautveränderungen – typischerweise an Ellbogen, Knie und Kopfhaut – sowie Juckreiz auftreten, suchen Betroffene den Hausarzt auf, der rasch die Diagnose stellt. Die Psoriasis hat allerdings viele Gesichter, die erst der Hautarzt erkennt. Heute geht man davon aus, dass es sich bei früh auftretenden, schweren Formen der Schuppenflechte nicht um eine Erkrankung allein der Haut handelt, sondern um eine Erkrankung mit vielen Begleitkrankheiten wie Übergewicht, hohem Blutdruck, Zuckerkrankheit, Herzkreislauferkrankungen, Rheuma, Depression, Alkoholismus. Bei etwa der Hälfte aller Betroffenen tritt Psoriasis auch an den Nägeln auf. Rund ein Drittel leidet an Gelenkentzündungen. Bei 80 Prozent der Betroffenen handelt es sich zum Glück um eine leichte Form der Psoriasis.

Kennt man die Ursachen oder Auslöser der Erkrankung?
Der Schuppung liegt eine entzündungsbedingte beschleunigte Zellteilung zugrunde. Die Zellen wandern innerhalb von sieben, anstelle von üblichen 28 Tagen an die Hautoberfläche. Zudem kommt es zu einer abnormen Verhornung und zur Ausbildung einer fest haftenden Schuppenschicht mit veränderter Lichtbrechung – was der Grund ist für die silbrigweisse Farbe. Die Ursache bleibt letztlich unklar. Infektionen und gewisse Medikamente können einen Krankheitsschub auslösen. Ausserdem spielen  externe Einflüsse wie extreme klimatische Bedingungen, Trockenheit und Reizungen der Haut, Hautschäden, Verletzungen als Auslöser eine Rolle, aber auch die Psyche zum Beispiel in Form von privatem oder beruflichem Stress. Alkohol- und Tabakkonsum im Überfluss sowie Übergewicht führen ebenfalls zur Krankheitsverschlechterung.

Entzündung und beschleunigte
Zellteilung führen zur Schuppenbildung.
 

Ist Psoriasis vererbbar?
Die Veranlagung zu Psoriasis ist vererbbar. Wenn ein Elternteil betroffen ist, besteht beim Kind ein bis zu 30-prozentiges Risiko für diese Krankheit. Leiden beide Elternteile an Psoriasis, erhöht sich das Risiko beim Kind auf 65 Prozent.

Wie wird behandelt?
Eine definitive Heilung gibt es nicht. Die heute zur Verfügung stehenden dermatologischen Behandlungen führen aber meist zu Beschwerdefreiheit. Sie richten sich nach der Art, der Ausdehnung und dem Schweregrad der Krankheit sowie nach den Bedürfnissen der Patientin oder des Patienten.


Bei Schuppenflechten ist die richtige Hautpflege besonders wichtig.
Verwenden Sie milde Duschmittel und reichhaltige Bodylotions.



Was bedeutet eine solche Erkrankung für die Lebensqualität der Betroffenen?
Der Schweregrad der Erkrankung, die Grösse der veränderten Hautflächen und der Ort der Hautveränderungen haben einen Einfluss auf die Lebensqualität. Bei Befall von Kopfhaut, Handflächen und Fusssohlen, Gesicht und Genitalien ist der Leidensdruck besonders hoch. Aber auch der Therapieaufwand – das Salben, Baden, die Lichttherapie, ein Spitalaufenthalt – kann eine Belastung darstellen. Bei individuell angepasster Therapie lässt sich oft eine gute Lebensqualität erreichen.

Weitere Informationen

  • www.spvg.ch: Webseite der Patientenvereinigung mit dem Namen Schweizerische Psoriasis und Vitiligo Gesellschaft
  • www.psoriasis-netz.de: Allgemeine Informationen zu Psoriasis   

Was Betroffene selbst tun können, um ihre Situation zu verbessern

  • Am wichtigsten ist die angemessene Pflege der Haut. Verwenden Sie milde, reizarme, rückfettende Dusch- und Badezusätze sowie Fettsalben oder fetthaltige Cremes.
  • Vermeiden Sie Übergewicht, übermässigen Alkoholkonsum, das Rauchen und Stress.
  • Bauen Sie ein gutes Vertrauensverhältnis zu Ihrem Arzt auf.
  • Suchen Sie einen Ausgleich und pflegen Sie soziale Kontakte.
  • Der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen hilft, mit der eigenen Situation besser umzugehen.

Alexandra Werder


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