Kaum eine andere Behandlung wird so individuell auf eine Patientin oder einen Patienten abgestimmt wie die Schmerztherapie. Die moderne Medizin bietet verschiedene Therapiemöglichkeiten an, damit Ihre Schmerzen je nach Art und Ursache angemessen behandelt werden.
Bevor Sie eine Schmerztherapie angehen, sollten Sie mit Ihrem Apotheker oder Arzt die Art Ihrer Schmerzen besprechen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat hierfür ein Stufenschema zur Behandlung mit Schmerzmitteln aufgestellt:
Bei leichten bis mittelstarken Schmerzen beginnt man mit Medikamenten, die schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend wirken wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen (WHO-Stufe I).
Wird mit den Medikamenten der Stufe I keine genügende Linderung erreicht, kombiniert man sie mit mittelstarken Substanzen (WHO-Stufe II). In dieser Stufe befinden sich morphiumähnliche Präparate, so genannte schwache Opiate.
Reicht die Schmerzminderung mit Stufe II nicht mehr aus, werden stark wirksame opiathaltige Mittel wie Morphium (WHO-Stufe III) verabreicht. Opiate können bei sehr starken Schmerzen auch von Anfang an eingesetzt werden
Für alle drei Stufen ist eine ausreichende Dosierung entscheidend, denn einer der häufigsten Gründe für einen Therapiemisserfolg sind unterdosierte Schmerzmittel.
Lassen Sie sich umfassend beraten, bevor Sie zu Schmerzmitteln greifen!
Opiate – im Positiven wie im Negativen! Der menschliche Organismus stellt einen schmerzlindernden Stoff her. Die so genannten Endorphine verhindern, dass Schmerzsignale an das Gehirn übermittelt werden und senken dadurch die wahrgenommene Schmerzintensität. Opiate wie das Morphium sind den Endorphinen verwandte Substanzen und lindern das Schmerzempfinden auf dieselbe Art. Weil diese Medikamente abhängig machen können, sollte man sich genau an die empfohlene Dosierung halten. Opiate ziehen auch unerwünschte Wirkungen mit sich, zum Beispiel Müdigkeit, Übelkeit und Verstopfung.
Morphiumpumpe – Dosierung nach Bedarf Bei heftigen Schmerzen ist Morphium nach wie vor das am häufigsten verabreichte medizinische Mittel. Es findet heute nicht mehr nur bei Krebsleiden seine Anwendung. So verabreicht die Ärztin oder der Arzt Morphium auch Rheumapatientinnen und -patienten, die an Ischias-Schmerzen oder Arthrose leiden und auf andere Medikamente nicht mehr ansprechen. Bei äusserst starken Schmerzen kann die Ärztin oder der Arzt Opiate in kleinen Dosen direkt unter die Haut oder in die Venen spritzen. Heute werden vor allem in der Krebstherapie und vor Operationen häufig Morphiumpumpen verwendet. Beim Einsatz dieser Pumpe kann die Patientin oder der Patient selbst entscheiden, wie viel Morphium direkt in die Venen abgegeben wird. Gewisse hoch wirksame Schmerzmittel sind in Pflasterform erhältlich. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie Schmerzen lindern, den Patienten aber trotzdem ihre volle Bewegungsfreiheit belassen.
Vorsicht vor einer Überdosierung! Wer würde bei heftigen Schmerzen nicht einfach zu einem Mittel greifen, ungeachtet der Dosis? Leider ist diese Art der Selbstmedikation bei vielen Patienten mit chronischen Schmerzen üblich. Oft finden sie nicht auf Anhieb das unterstützende Heilmittel gegen ihre Erkrankung und testen so ein Präparat nach dem anderen, mal einzeln, mal in Kombination. Dabei gerät man leicht in einen Teufelskreis und versucht es stets mit einem weiteren Schmerzmittel. Von einem Arzt zum anderen zu pendeln und ein Rezept nach dem anderen in der Apotheke einzulösen, führt jedoch nicht zum erwünschten Ziel. Die Medikamente sammeln sich im Körper an, die Schmerzen werden gegenüber den Mitteln resistent und man bleibt trotz der vielen Behandlungen auf verlorenem Posten. Bevor Sie zu Schmerzmitteln greifen, empfiehlt sich deshalb eine gründliche medizinische Untersuchung – auch angesichts eventueller unerwünschter Wirkungen wie Magen- und Nierenbeschwerden oder einer möglichen Überdosierung.
Tipp aus Ihrer Apotheke
Schmerzmittel aus Ihrer Apotheke
Zahnschmerzen, leichte bis mittelstarke Kopfschmerzen oder Menstruationsbeschwerden können Sie mit frei verkäuflichen Schmerzmitteln aus Ihrer Apotheke – wie Paracetamol oder Ibuprofen – lindern.
Die schmerzstillende Wirkung von Paracetamol hält ungefähr vier Stunden an, die von lbuprofen drei bis sechs Stunden.
Nehmen Sie alle vier Stunden abwechslungsweise Paracetamol oder Ibuprofen ein, können Sie die Linderung zusätzlich unterstützen. Bitte halten Sie sich an die täglichen Maximaldosen beider Medikamente!
Ibuprofen ist auch als Ibuprofenlysinat erhältlich. Dieses Salz ist im Magen besser löslich und kann so zu einem schnelleren Wirkungseintritt führen.
Stärkere Schmerzmittel sind wegen Missbrauchgefahr rezeptpflichtig. Lassen Sie sich über die korrekte Anwendung und die ideale Dosierung informieren!