Pensioniert, was nun?

Endlich pensioniert! Auf diesen Moment freuen sich viele. Doch damit die Zeit im Ruhestand zum Erfolg wird, sollte man sich bereits vor der Pensionierung Gedanken machen. Möglichkeiten für sinnvolle Tätigkeiten gibt es zahlreiche.







Kurt G. hatte das Glück, bereits mit 58 Jahren in Pension zu gehen. Das bringt viele Vorteile. Er ist körperlich und geistig fit, kann also noch einiges unternehmen, wofür er während seines ausgefüllten Berufslebens keine Zeit hatte. Ein Segelausflug mitten in der Woche? Kein Problem. Eine Skiwoche in der Vorweihnachtszeit. Klar, warum nicht? In seiner ersten Zeit als Rentner hat Kurt ein Behördenamt in seiner Wohngemeinde bekleidet, auch ist er Präsident eines Sportclubs mit mehr als 300 Mitgliedern. Beides zusammen ergab ein Arbeitspensum von bis zu 30 Prozent.

Vor allem Männer tun sich schwer
Nicht allen gelingt der Schritt ins Seniorenalter wie erträumt. Gemäss AXA Retirement Score, einer internationalen Vergleichsstudie in 27 Ländern, zu denen auch die Schweiz gehört, werden viele Pläne nie umgesetzt. Reisen, Sport, kulturelle Anlässe und Hobbys bleiben trotz guter Vorsätze Theorie. Auch die anfängliche Freude über die uneingeschränkte Freiheit verblasst nach etwa einem Jahr. Dann sehnen sich die meisten Pensionierten nach einer sinnvollen Aufgabe in der Gesellschaft.
Vor allem Männer tun sich oftmals schwer. Während für die meisten Frauen mit Babypausen, Freiwilligenarbeit in Vereinen und beruflichem Wiedereinstieg neue Lebenssituationen nichts Ungewöhnliches darstellen, sind Männer in der Regel während ihrem ganzen Erwachsenenleben im Beruf eingespannt. Oft fehlte die Zeit für Hobbys, sie kümmerten sich kaum um Haushalt und Kinder. Von einem Tag auf den anderen stehen sie dann zu Hause herum. Das stellt auch die Partnerschaft auf die Probe. Die Rollen müssen neu verteilt, die Tage neu strukturiert werden. Eine Herausforderung für manches Paar, doch Chancen gibt es viele.

Die Rollen in der Partnerschaft müssen
neu verteilt, die Tage neu strukturiert werden
 

Von 120 auf 0 ist keine Option
Kurt hat den Übergang in die Pension gut überstanden, was er seiner vorausschauenden Planung verdankt. «Man wird ja in der Regel nicht plötzlich pensioniert, der Zeitpunkt ist lange im Voraus bekannt», sagt er. In das Behördenamt liess er sich bereits einige Jahre vor seiner Pensionierung wählen. Auch im Sportclub signalisierte er seine Bereitschaft, das Präsidium zu übernehmen, sobald er nicht mehr arbeite. Damit vermied er, dass seine Beschäftigung von «120 auf 0» fiel. Er hatte immer noch Termine, Verpflichtungen und Aufgaben, die ihn auf Trab hielten, wenn auch nicht mehr so intensiv wie im aktiven Berufsleben.
Zahlreiche Stellen geben Anleitung und liefern konkrete Ideen für sinnvolle Tätigkeiten. AvantAge (
www.avantage.ch), die Fachstelle Alter und Arbeit der Pro Senectute zum Beispiel, bietet Seminare sowohl zur Vorbereitung auf die Pensionierung als auch für die «nachberufliche Zukunft» an. Erfüllende Aufgaben stellen sich auch in institutionalisierten Generationenprojekten wie Aufgabenhilfe und Betreuungsaufgaben im Klassenzimmer, Patengrosseltern, gemeinsames Spielen, Lesen und Diskutieren mit Kindern und Jugendlichen. Anregungen und weiterführende Informationen findet man bei Pro Senectute und anderen Institutionen, die sich mit dem Pensionsalter auseinandersetzen (www.pro-senectute.ch, www.intergeneration.ch und www.generationen.ch). Gut ausgebildete Senioren, die in anspruchsvollen Funktionen tätig waren, finden zum Beispiel auch neue Aufgaben als Berater für Non-Profit-Organisationen, für Jungunternehmer oder für Unternehmen in Entwicklungsländern (www.innovage.ch, www.adlatus.ch, www.swisscontact.ch). Einklinken kann man sich jederzeit. Engagierte Senioren sind an diversen Orten willkommen.

Zwei wichtige Punkte, an die Sie denken sollten
 Regeln Sie Ihre Finanzen schon einige Jahre vor der Pensionierung! Dann bleibt noch Zeit, mögliche Lücken zu schliessen. Lassen Sie sich dabei von einer Fachperson beraten, die in Pensionsfragen versiert ist, damit Sie die optimale Lösung für Ihre Situation ausarbeiten können.
 Beziehen Sie die Lebenspartnerin oder den Lebenspartner in Ihre Planung mit ein. Die Zeit nach der Pensionierung stellt für beide eine neue Lebenssituation dar. Suchen Sie gemeinsame Hobbys, lassen Sie sich aber auch gegenseitig Freiräume für individuelle Tätigkeiten.
 Für allein lebende Personen ist es besonders wichtig, schon vor der Pensionierung soziale Kontakte ausserhalb des Arbeitsplatzes aufzubauen, zum Beispiel in Vereinen oder anderen Institutionen, die den Austausch mit anderen Menschen ermöglichen.
 

Heidi Mühlemann


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